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Die Große Orgel verstehen

Wie funktioniert eine Orgel?

Hinter den gewaltigen Pfeifen der Großen Orgel der Kathedrale von Beauvais verbirgt sich eine faszinierende musikalische Maschine. Wind, Pfeifen, Windladen, Manuale und Register wirken zusammen und ermöglichen es einem einzigen Musiker, Tausende von Stimmen zu beherrschen.

77 Register
≈ 5.500 Pfeifen
4 Manuale
11,70 m bei den größten Pfeifen
Ein monumentales Blasinstrument

Tausende Pfeifen – von einem einzigen Musiker gespielt

Beim Anblick der Großen Orgel von Beauvais fallen zunächst die gewaltigen Metallpfeifen des Prospekts ins Auge. Der größte Teil des Instruments bleibt jedoch verborgen.

Hinter dem Orgelgehäuse befinden sich Tausende Pfeifen, Windreservoirs, Windladen, Windkanäle und ein komplexes Traktursystem, mit dem der Organist bestimmen kann, welche Klangfarben erklingen sollen.

Die Orgel ist somit gleichzeitig ein Blasinstrument, ein Tasteninstrument und eine außergewöhnliche Maschine.

💨

Wind

Ein Gebläse erzeugt und hält die benötigte Druckluft bereit.

🎹

Ein Befehl

Der Organist wählt ein Register und drückt eine Taste oder ein Pedal.

Ein Klang

Der Wind erreicht die entsprechenden Pfeifen, die daraufhin erklingen.

Der unsichtbare Antrieb

Alles beginnt mit Luft

Ohne Luft bleibt eine Orgel stumm. Ihr Grundprinzip besteht darin, unter Druck stehende Luft – den sogenannten Wind – in die vom Organisten ausgewählten Pfeifen zu leiten.

Früher betätigten Kalkanten große Blasebälge von Hand. Heute liefert ein elektrisches Gebläse den benötigten Wind. Dieser wird gespeichert und reguliert, bevor er zu den Windladen gelangt.

Der Wind steht also ständig zur Verfügung. Damit eine Pfeife erklingen kann, muss der Organist jedoch den richtigen Weg zu ihr öffnen.

Tausende Stimmen

Warum besitzt eine Orgel Tausende Pfeifen?

Jede Pfeife ist dafür gebaut, eine bestimmte Tonhöhe und Klangfarbe hervorzubringen. Im Allgemeinen gilt: Je länger eine Pfeife ist, desto tiefer klingt ihr Ton.

Die größten Prospektpfeifen der Orgel von Beauvais erreichen 11,70 Meter, während manche hohen Pfeifen im Inneren des Instruments nur sehr klein sind.

Lippenpfeifen

Ihr Funktionsprinzip ähnelt dem einer Flöte. Der Wind tritt durch den Pfeifenfuß ein und strömt an der Öffnung, dem sogenannten Pfeifenmund, vorbei.

Die Luftsäule in der Pfeife beginnt zu schwingen und erzeugt den Ton.

Beispiele: Prinzipal, Bourdon, Flöte, Gambe …

Zungenpfeifen

Bei diesen Registern bringt der Wind eine kleine Metallzunge zum Schwingen.

Ein Resonator verstärkt anschließend die Schwingung und prägt die charakteristische Klangfarbe.

Beispiele: Trompete, Clairon, Oboe …
Die Klangfarben der Orgel

Was ist ein Orgelregister?

Ein Register besteht aus einer Reihe von Pfeifen mit derselben klanglichen Charakteristik.

Vereinfacht kann man es sich wie eine riesige Panflöte vorstellen: Jede Pfeife erzeugt einen anderen Ton, doch alle Pfeifen dieser Reihe gehören zur gleichen Klangfamilie.

Mit ihren 77 Registern verfügt die Orgel von Beauvais über eine außerordentlich vielfältige Klangpalette.

Einige Klangfamilien

Prinzipale
Sie bilden das traditionelle klangliche Fundament der Orgel.

Flöten und Bourdons
Runde, weiche oder helle Klangfarben.

Gamben und Streicher
Feine Klangfarben, die an Streichinstrumente erinnern.

Zungenregister
Trompeten, Clairons und Oboen verleihen dem Klang Glanz, Kraft und Charakter.

Im Herzen des Instruments

Wie leitet die Windlade den Wind zur richtigen Pfeife?

Die Windlade ist das eigentliche Verteilungszentrum der Orgel. Unter den Pfeifen steht ständig Wind unter Druck bereit. Er kann die Pfeifen jedoch nur erreichen, wenn der Organist zwei Bedingungen erfüllt: ein Register auswählen und einen Ton spielen.

Die folgende Animation stellt eine Schleiflade bewusst vereinfacht dar. Wählen Sie zunächst das Register aus und drücken Sie anschließend die Taste. Sie sehen, wie sich das Ventil öffnet und der Wind die Pfeife erreicht.

1 — Register auswählen
+
2 — Ton spielen
Wählen Sie das Register Flöte 8′.
anderes Register
) ) ) Flöte 8′
anderes Register
Schleife / Register
Tonkanzelle für den Ton C
Ventil
Wind unter Druck Der Wind steht ständig unter dem Ventil bereit
Taste C
Wind
Mechanik
Erklingende Pfeife
Im Moment geschieht noch nichts. Unter dem Ventil steht Wind bereit, aber der Weg zur Pfeife ist noch nicht geöffnet.
Register ausgewählt  +  Taste gedrückt  =  Wind strömt zur Pfeife.
Probieren Sie es selbst aus

Stellen Sie Ihren Klang zusammen

Dieser vereinfachte Spieltisch veranschaulicht das Prinzip der Registrierung. Wählen Sie ein oder mehrere Register aus und spielen Sie anschließend einen Ton.

1 — Register auswählen
2 — Einen Ton spielen
C
D
E
F
G
A
H
Wählen Sie zunächst ein oder mehrere Register aus.
Der Steuerplatz des Organisten

Vier Manuale und ein Pedal

Dem Organisten der Großen Orgel von Beauvais stehen vier Manuale und ein Pedal zur Verfügung.

Jedes Manual steuert eine Gruppe von Registern, die als Werk bezeichnet wird. Dadurch kann der Organist verschiedene Klangfarben einander gegenüberstellen, miteinander dialogisieren lassen oder miteinander verbinden.

Positif
Grand-Orgue
Récit
Bombarde
Pedal
Mit Händen … und Füßen

Wozu dient das Pedal?

Die große Klaviatur unter den Füßen des Organisten steuert unter anderem die tiefen Klangbereiche des Instruments.

Der Organist kann also gleichzeitig mit der rechten Hand eine Melodie, mit der linken Hand eine Begleitung und mit den Füßen eine dritte musikalische Linie spielen.

Eine beeindruckende Koordination

Die Hände können auf verschiedenen Manualen spielen, während die Füße über das Pedal geführt werden.

Gleichzeitig kommen Registerwechsel, Koppeln und weitere Bedienelemente des Spieltisches hinzu.

Ein einziger Musiker beherrscht auf diese Weise eine ganze Klangarchitektur.

Zusammengefasst

Von der Taste zur Pfeife

1

Das Gebläse erzeugt den Wind

Luft wird unter Druck gesetzt.

2

Der Wind wird reguliert

Windreservoirs sorgen für eine gleichmäßige Versorgung des Instruments.

3

Der Organist wählt die Register

Damit bestimmt er, welche Pfeifenreihen erklingen können.

4

Ein Ton wird gespielt

Eine Taste eines Manuals oder des Pedals wird gedrückt.

5

Die Windlade verteilt den Wind

Der Wind wird nur zu den entsprechenden Pfeifen geleitet.

6

Die Pfeifen erklingen

Der Wind bringt die Pfeifen zum Klingen und der Schall breitet sich in der Kathedrale aus.

Die Kunst des Organisten

Registrierung: die Klangfarben auswählen

Orgelspielen bedeutet weit mehr, als nur die in einer Partitur notierten Töne zu spielen.

Der Organist muss auch entscheiden, welche Register verwendet werden. Diese Auswahl und Kombination der Register bezeichnet man als Registrierung.

Einige wenige sanfte Register können eine intime Atmosphäre schaffen. Andere Kombinationen ermöglichen einen Dialog zwischen den verschiedenen Manualen. Durch das schrittweise Hinzufügen zahlreicher Register kann schließlich der monumentale Klang des vollen Werkes entstehen.

In Beauvais spielt der Organist nicht nur die Orgel: In gewisser Weise spielt er auch mit der außergewöhnlichen Architektur der Kathedrale.

Das Bauwerk als Resonanzraum

Die Kathedrale ist Teil des Instruments

Die Große Orgel befindet sich im Westen der Kathedrale auf einer weitläufigen Orgelempore.

Der von den Pfeifen erzeugte Klang breitet sich im gewaltigen Innenraum der Kathedrale Saint-Pierre aus. Gewölbe, Mauern, Langhaus und Chor reflektieren und verlängern den Klang.

Der Organist muss diesen Nachhall berücksichtigen. Eine Registrierung oder Interpretation, die für eine kleine Kirche geeignet ist, wirkt im riesigen Raum der Kathedrale von Beauvais völlig anders.

Ein Monument im Monument

Die Große Orgel der Kathedrale von Beauvais

Seit dem 16. Jahrhundert haben sich in der Kathedrale von Beauvais mehrere Orgeln abgelöst.

Die heutige Große Orgel wurde von Danion-Gonzalez erbaut und 1979 fertiggestellt. Sie verfügt über 77 Register und rund 5.500 Pfeifen.

Die Spieltraktur ist mechanisch, während die Registertraktur elektrisch arbeitet. Diese Verbindung von traditionellem Orgelbau und moderner Technik ermöglicht es, ein außerordentlich breites Repertoire zu interpretieren.

Von Alter Musik über die großen symphonischen Werke bis hin zur zeitgenössischen Musik erlaubt die Vielfalt ihrer Klangfarben einen eindrucksvollen Dialog mit der monumentalen Architektur der Kathedrale Saint-Pierre.

Die Entdeckung fortsetzen

Entdecken Sie die Geschichte der Großen Orgel

Ihre Funktionsweise ist nur ein Teil ihrer Geschichte. Entdecken Sie die Instrumente, die sich seit dem 16. Jahrhundert in der Kathedrale von Beauvais abgelöst haben, und die Entstehung der heutigen monumentalen Großen Orgel.

Die Große Orgel von Beauvais